Samstag, 9. Mai 2015

gute Hausaufgaben?

Ich bin kein großer Freund von Hausaufgaben. Ich gebe es ehrlich zu.
Häufig muss ich mich zwingen, meinen Schülern welche aufzugeben. Die meisten meiner Schüler gehen in den Hort und dort werden eben Hausaufgaben gemacht. Ok, also gebe ich welche auf.
(Im Sommer starte ich mit einer ersten Klasse, da möchte ich die Hausaufgaben gern anders gestalten.)

Meine vierte Klasse ist Hausaufgaben gewohnt, auch, dass es immer wieder Tage gibt - gerade bei dem tollen Frühlingswetter - an denen ich keine Hausaufgaben aufgebe. Sei es unbewusst, weil ich es vergesse oder bewusst, weil wir im Unterricht so intensiv und gut gearbeitet haben, dass ich es für nicht notwendig erachte.
So ergeht es auch der Klasse, die ich in Mathematik unterrichte, ein erstes Schuljahr.
Da ich mit dieser Klasse u.a. nach Planarbeit (ich erstelle einen Arbeitsplan, den die Kinder in ihrem Tempo bearbeiten und bei dem ich individuell Aufgaben streiche oder hinzufüge) arbeite, ist dort das Aufgeben von sinnvollen Hausaufgaben nicht immer so ganz einfach.

Schon vor einer ganzen Weile stieß auf die Seite von Marek Breuning und laß begeistert von seiner Art mit Hausaufgaben umzugehen.
So gab es in der Matheklasse in dieser Woche die erste offenere Hausaufgabe und ich war sehr gespannt, wie sie es lösen würden.
Hausaufgabe war es, viele Aufgaben mit dem Ergebnis 15 zu finden.
Dies wurde von den Schülern sehr unterschiedlich gelöst. Ich hatte sehr gute Schüler, die sich mit 8 Aufgaben zufrieden gaben und schwächere Schüler, die sich mächtig Mühe gaben um etwa ebenso viele Aufgaben zu finden.
Über zwei Schüler habe ich mich ganz besonders gefreut. Solche Ergebnisse habe ich bei beiden bisher bei "normalen" Hausaufgaben nicht sehen können.



Mal sehen, was es demnächst so für Hausaufgaben geben wird :)

Kommentare:

  1. Das ist wirklich eine gute Methode, sinnvolle Hausaufgaben zu geben. So können die Kinder selber entscheiden, wie intensiv sie die Aufgabe bearbeiten und testen ihre Möglichkeiten aus.

    Ich bin auch kein Fan von HA (habe sie als Kind auch schon immer selbst gehasst und "vergessen"). Zudem finde ich, dass einfach zu viel Zeit damit vergeht, Hausaufgaben aufzugeben, zu erklären, zu kontrollieren (wobei die meisten Kids sowieso alles als richtig abhaken, egal ob es stimmt) und vor allem zu schimpfen, dass manche Kinder die HA nicht gemacht haben. Diese Zeit nutzen die Kids in meiner ersten Klasse einfach zum Lernen, womit die so gewonnene Lernzeit die HA eigentlich erübrigt. Da aber die Eltern (und auch der Hort...) trotzdem gerne HA für die Kids wünschen, sind diese bei mir freiwillig. Das bedeutet, ich halte die Kids an, sich HA selbst (aus) zu suchen. Wer keine HA machen möchte, hat HA-frei. Macht ein Kind häufiger keine HA (z.B. eine ganze Woche, frage ich mal nach, woran es liegt). Die Hausaufgaben packen die Kids morgens in meinen Briefkasten und ich schaue die (meist) am Wochenende nach. Was nicht in Ordnung ist, bekommen die Kinder zum Überarbeiten zurück, die anderen Sachen heften sie in ihren Ordner.

    Das führt in meiner Klasse dazu, dass die Kinder sehr selbständig werden, ihre Leistungen und Möglichkeiten super einschätzen können (von Einzelfällen abgesehen, da helfe ich intensiv bei der HA-Suche und lasse aus mehreren HA auswählen), so gerne HA machen, dass einige sich sogar fürs Wochenende welche mitnehmen, manche Kinder viel mehr HA machen, als ich jemals wagen würde aufzugeben und vor allem ich mit keinem Kind schimpfen "muss", weil es die HA nicht hat.

    Sehr entspannend für alle Beteiligten, mit Ausnahme des Hortes, der nicht damit klarkommt, dass alle Kinder meiner Klasse unterschiedliche Hausaufgaben haben.

    LG! Chester

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  2. Liebe Frau Lienchen! Sie schreiben mir tatsächlich aus der Seele. Danke dafür. Es ist nicht möglich, jedem Kind eine sinnvolle individuelle Nachbereitung des Unterrichts zu erstellen. Offene Aufgabenstellungen bei Hausaufgaben ermöglichen es am besten, einerseits dem Kind und andererseits den Eltern (die gerne nachmittags das Kind fördern wollen) und den verschiedenen Hausaufgabenbetreuungen (die außer Freier Spielzeit "Arbeit am Tisch" brauchen) gerecht zu werden. Mir ist vor allem wichtig, dass Hausaufgaben nicht die Beziehung von Kind und Eltern belasten.
    Ein weiterer Aspekt sei noch angemerkt: Die Korrektur offener Hausaufgaben ist wesentlich mehr Arbeit für mich als Lehrerin, darum gibt’s bei mir auch immer wieder „nur“ ein Leseblatt oder eine gemeinsame Aufgabe oder auch mal Hausaufgabenfrei für Lehrerin und Kinder ;-)
    Liebe Grüße von Melanie


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  3. Melanie, wie steht es formal um die Kontrolle von Hausaufgaben? In der Grund Schulordnung von RLP heißt es, dass sie nur "stichprobenartig"kontrolliert werden müssen. Und genau so handhabe ich es auch. Am nächsten Morgen setze ich mich mit 4-6 Kindern zusammen und sie stellen sich gegenseitig die Aufgaben vor. Dabei habe ich dann nicht nur eine Kontrolle, sondern es kann zusätzlich auch noch inhaltlich gearbeitet werden. "Lukas hat ja diese Wörter hier geschrieben, lies doch bitte mal zwei Wörter vor und die anderen Kinder am Tisch schreiben sie mal ins Heft." usw. Das kann man auf die verschiedensten Weisen noch so machen. Hausaufgaben haben so auch noch einen fachlichen Nutzen und sind nicht nur "Erziehungsmittel".

    Diejenigen, die zusätzlich in den Hausaufgabenkreis kommen mögen, sind immer eingeladen, alternativ können sie auch nur zur Durchsicht bei mir abgegeben werden. Aber Hausaufgaben von allen Kindern kontrolliere ich nicht täglich - nur stichprobenartig und zufällig. Man könnte hier ggfs auch losen, denke ich mir gerade.

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